
Quiet Hiring
Was ist „Quiet Hiring“?
Quiet Hiring (zu Deutsch: „stilles Einstellen“) ist eine Personalstrategie, bei der Arbeitgeber vakante Stellen nicht besetzen und die Aufgaben an bestehende Arbeitnehmer übergeben. Bereits angestellte Mitarbeiter müssen zusätzliche Tätigkeiten übernehmen und tragen teilweise auch mehr Verantwortung, können aber oft auch ihre Kompetenzen und ihren Erfahrungshorizont erweitern.
Auch wenn Quit Hiring sich oft „einfach einschleicht“, muss sichergestellt werden, dass die arbeitsrechtlichen Rechte und Pflichten eingehalten und gegebenenfalls ergänzend geregelt werden.
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Vorteile und Nachteile von Quiet Hiring
Quit Hiring ist nicht pauschal gut oder schlecht. Entscheidend sind die jeweilige Situation, die Umstände und die Rahmenbedingungen.
Vor- und Nachteile für Arbeitgeber
Vorteile von Quiet Hiring für den Arbeitgeber
- Durch den Wegfall von Neueinstellungen werden Personalkosten für Recruiting, Onboarding, Bruttolohn und Lohnnebenkosten gespart.
- Vakante Stellen können schneller besetzt werden.
- Durch Nutzung bewährter Arbeitnehmer besteht kein Risiko, dass neu eingestellte Personen während ihrer Probezeit das Unternehmen verlassen oder sich als ungeeignet erweisen.
Nachteile von Quiet Hiring für den Arbeitgeber
- Durch die erhöhte Arbeitsbelastung steigt die Gefahr, dass Arbeitnehmer durch Burnout und Überlastung arbeitsunfähig werden.
- Es besteht ein Risiko, dass Arbeitnehmer durch die Kombination aus fehlender Anerkennung und hoher Arbeitslast innerlich kündigen.
- Es fehlen neue Impulse, die neu eingestellte Mitarbeiter oft mitbringen.
- Die Gesamtproduktivität kann sinken, wenn Arbeitnehmer überlastet sind.
Vor- und Nachteile für Arbeitnehmer
Vorteile von Quiet Hiring für Arbeitnehmer
- Ein erweitertes Aufgabenfeld kann die Karrierechancen und Aufstiegsmöglichkeiten verbessern.
- Die neuen Aufgaben fördern das Erlernen neuer Fähigkeiten und bieten Möglichkeiten zur Weiterentwicklung.
- Vielfältige und neue Arbeitsaufgaben schützen vor Unterforderung und Boreout.
- Mit den neuen Aufgaben wird auch Verantwortung übertragen, die das Selbstwertgefühl steigern kann.
- Vorhandene Begabungen und Fähigkeiten können ausgebaut werden.
Nachteile von Quiet Hiring für Arbeitnehmer
- Oft kommt die höhere Arbeitsbelastung ohne zusätzliche Entlohnung.
- Fachfremde Aufgaben und ein erhöhtes Arbeitspensum können zu Überforderung und Überstunden führen.
- Immer wieder geht die mangelnde Wertschätzung mit Quiet Hiring einher. Vor allem wenn der gesteigerte Arbeitsaufwand nicht mit einer entsprechenden Anpassung von Gehalt, Titel oder Anerkennung kompensiert wird.
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Quiet Hiring: Arbeitsrechtliche Regelung
In der Regel sind Notfallvertretungen arbeitsrechtlich kein Problem und bedürfen auch nicht einer ergänzenden Regelung zum Arbeitsvertrag. Kritisch wird es, wenn dauerhaft Personal fehlt und die anfallenden Aufgaben anderen Arbeitnehmern zugewiesen werden, da dann kein echter Notfall mehr gegeben ist.
Weisungs- und Direktionsrecht
Arbeitgeber dürfen ihren Angestellten nicht einseitig unbeschränkt Aufgaben zuweisen. In den meisten Fällen regelt der Arbeitsvertrag (nebst Stellenbeschreibung), für welche Tätigkeit(en) der Arbeitnehmer angestellt ist.
Alle Aufgaben, die vom arbeitsvertraglich vereinbarten Tätigkeitsfeld umfasst sind, darf der Arbeitgeber im Rahmen seines Weisungsrechts nach § 106 GewO anordnen. Aufgaben, die darüber hinausgehen, sollten arbeitsvertraglich oder zumindest einvernehmlich mit dem Arbeitnehmer geregelt werden.
Nachweisgesetz
Auch wenn die Anweisung von Mehrarbeit und die Umverteilung von Aufgaben durch das Direktionsrecht des Arbeitgebers gemäß § 106 GewO gedeckt sind, müssen wesentliche Veränderungen nach dem Nachweisgesetz (§ 2 NachwG) schriftlich festgehalten beziehungsweise bei dauerhaften Änderungen entsprechend dokumentiert werden.
Eine formale Anpassung des Arbeitsvertrags ist insbesondere dann erforderlich, wenn sich Tätigkeit, Umfang oder Vergütung dauerhaft ändern.
Arbeitsschutzgesetz
Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Gesundheit des Arbeitnehmers zu schützen. Das umfasst nach § 5 ArbSchG auch die Prävention psychischer Belastungen durch Gefährdungsbeurteilungen.
Überstunden
Kommt es im Rahmen von Quiet Hiring zu Überstunden, gelten keine gesetzlichen Ausnahmen. Überstunden können nur verlangt werden, wenn dies im Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder durch Betriebsvereinbarung geregelt ist oder im Einzelfall betriebliche Notfälle eintreten. Werden die Überstunden einfach geleistet, ohne dokumentiert zu werden oder diese anzusprechen, besteht die Gefahr, dass diese nicht ausbezahlt oder abgebaut werden können. Die gesetzlichen Höchstarbeitszeiten nach dem Arbeitszeitgesetz müssen zwingend eingehalten werden.
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Für die Frankfurter Allgemeine hat Karina Maier, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Head of Legal & Quality bei Hopkins, Quiet Hiring rechtlich eingeordnet:
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