Das Wichtigste zum Bildungsurlaub

Die Übersicht für Arbeitnehmer

Bildungsurlaub, Bildungszeit oder auch Bildungsfreistellung (im Folgenden Bildungsurlaub genannt) ermöglicht es Arbeitnehmern sich unter Fortzahlung des Arbeitsentgelts Urlaub für eine Weiterbildung zu nehmen. Der Bildungsurlaub wird zusätzlich zum regulären Urlaubsanspruch gewährt und soll der beruflichen oder politischen Weiterbildung dienen. Er dient damit auch der Verwirklichung eines lebenslangen Lernens.
Durch den Bildungsurlaub hat der Arbeitnehmer (unter Einschränkungen) Anrecht auf zusätzliche Urlaubstage muss diese jedoch für anerkannte Bildungsveranstaltungen nutzen.
Kurzer Überblick zum Ablauf 

  1. Über Bildungsangebote informieren und eine passende Veranstaltung auswählen 

  2. Mindestens sechs Wochen vor dem gewünschten Termin: Austausch mit dem Arbeitgeber, der über die Weiterbildung informiert werden und dem Termin der Freistellung zustimmen muss (Ablehnungen durch den Arbeitgeber sind nur in wenigen Ausnahmen möglich)

  3. Verbindliche Anmeldung beim Weiterbildungsanbieter

  4. Teilnahme an der Weiterbildung

  5. Teilnahmebescheinigung beim Arbeitgeber einreichen

Übersicht der Bundesländer (geordnet nach Einwohnerzahl)

Vorbemerkung: Da Bildungsurlaub Ländersache ist und in den Bundesländern unterschiedlich geregelt ist, achten Sie bitte darauf, den für Sie relevanten Part zu lesen. Sollten Sie in einem anderen Bundesland arbeiten, als sie wohnhaft sind, gilt das Bildungsurlaubsgesetz des Bundeslandes in dem Sie arbeiten und Ihren Tätigkeitsschwerpunkt haben.

Bildungsurlaub in Nordrhein-Westfalen 


Im größten deutschen Bundesland haben Arbeitnehmer und arbeitnehmerähnliche Personen (etwa Beschäftigte in Heimarbeit) fünf Arbeitstage Anspruch auf Bildungsurlaub pro Jahr, dieser kann auch zu zehn Arbeitstagen alle zwei Jahre zusammengefasst werden. Das nordrhein-westfälische Bildungsurlaubsgesetz ist das AWbG (Gesetz zur Freistellung von Arbeitnehmern zum Zwecke der beruflichen und politischen Weiterbildung – Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz).




Bildungsurlaub in Bayern 


In Bayern gibt es keinen Anspruch auf Bildungsurlaub oder Bildungsfreistellung. 




Bildungsurlaub in Baden-Württemberg


Das Bildungszeitgesetz Baden-Württemberg (BzG BW) hält das Bildungsurlaubsgesetz in Baden-Württemberg fest. Grundsätzlich haben alle Arbeitnehmenden einen Anspruch in Höhe von fünf Tagen auf Bildungsurlaub, jedoch erst nachdem Sie mindestens zwölf Monate im Arbeitsverhältnis angestellt sind.




Bildungsurlaub in Niedersachsen 


Anspruch auf fünf Tage Bildungsurlaub jährlich haben Arbeiter, Angestellte und Heimarbeitende deren Beschäftigungsverhältnisse ihren Schwerpunkt in Niedersachsen liegt. Eine Aufteilung von 10 Tagen innerhalb ist nach individueller Absprach ebenfalls möglich. 


Nach dem Niedersächsischen Bildungsurlaubsgesetz (NBildUG) ist Voraussetzung, dass der Anspruch auf Bildungsurlaub erst nach sechsmonatigem Bestehen des Beschäftigungsverhältnisses besteht.




Bildungsurlaub in Hessen 


Das Recht auf Bildungsurlaub in Hessen (Hessisches Gesetz über den Anspruch auf Bildungsurlaub) beinhaltet die Teilnahme an einer Veranstaltung der politischen Bildung oder der beruflichen Weiterbildung. Mit der Ausnahme, dass Auszubildende nur einen Anspruch auf Bildungsurlaub des Bereichs politische Bildung haben. Auch in Hessen umfasst der Rechtsanspruch fünf Tage Bildungsurlaub pro Jahr oder zehn Tage Bildungsurlaub innerhalb von zwei Jahren.




Bildungsurlaub in Rheinland-Pfalz 


Nach dem Bildungsfreistellungsgesetz haben Beschäftigte in Rheinland-Pfalz einen Anspruch auf zehn Tage Freistellung von der Arbeit zum Zwecke der beruflichen und gesellschaftspolitischen Weiterbildung pro Jahr.




Bildungsurlaub in Sachsen


Sachsen bietet bisher leider keinen Bildungsurlaub an.




Bildungsurlaub in Berlin


Das Berliner Bildungsurlaubsgesetz, kurz BiUrlG, sieht zehn Tage Bildungsurlaub vor für alle Arbeitenden ab dem vollendenten 25. Lebensjahr. Allen jüngeren Auszubildenden und Arbeitnehmern haben sogar jährlich Anspruch auf zehn Tage Bildungsurlaub. Für Auszubildende ist das Angebot allerdings auf politische Bildungsveranstaltungen eingeschränkt.




Bildungsurlaub in Schleswig-Holstein


In Schleswig-Holstein haben Arbeitnehmer, die mindestens an fünf Tagen in der Woche arbeiten, Anrecht auf fünf Arbeitstage zu Bildungszwecken freigestellt zu werden. In der BilFVO (Bildungsfreistellungsverordnung) wird der Umfang der möglichen Veranstaltungen etwas weiter gefasst als in den meisten anderen Bundesländern: als Bildungsangebote zählen hier alle allgemeinen, politischen, kulturellen und beruflichen Weiterbildungen, sowie die Weiterbildung für ehrenamtliches und zivilgesellschaftliches Engagement.




Bildungsurlaub in Brandenburg


Brandenburger Arbeitnehmer haben nach dem Brandenburgischen Weiterbildungsgesetz (BbgWBG), wie in Berlin, zehn Tage Anspruch auf Bildungsfreistellung innerhalb von zwei Jahren (bei fünf Tagen Arbeit pro Woche). Allerdings ist dieser Anspruch eingeschränkt auf (maximal) die Hälfte der Beschäftigten, beziehungsweise in Kleinbetrieben mit bis zu zwanzig Beschäftigten sogar auf maximal 30% der Beschäftigten. 




Bildungsurlaub in Thüringen


Beschäftigte in Thüringen können sich seit 2016, im Rahmen der Bildungsfreistellung, zur Weiterbildung von ihrem Arbeitgeber an bis zu fünf Tagen pro Jahr freistellen lassen. Für Auszubildende haben laut dem Thüringer Bildungsfreistellungsgesetz (ThürBfG) Anspruch auf drei Tage Bildungsfreistellung pro Jahr. 




Bildungsurlaub in Hamburg


Die Hansestadt führte 1974 als erstes Bundesland in Deutschland den Bildungsurlaub mit dem Hamburgisches Bildungsurlaubsgesetz (HBGBildUrlG) ein. Arbeitnehmer, die regelmäßig an fünf Wochentagen arbeiten, haben Anspruch auf zehn Tage Freistellung innerhalb von zwei Kalenderjahren. Bei Beschäftigten, die regelmäßig an mehr als fünf Tagen in der Woche arbeiten, erhöht sich der Anspruch auf zwölf Tage.




Bildungsurlaub in Mecklenburg-Vorpommern


Nach dem BfG M-V (Gesetz zur Freistellung für Weiterbildungen für das Land Mecklenburg-Vorpommern) haben Beschäftigte in Mecklenburg-Vorpommern einen Anspruch auf Freistellung zum Zwecke der Weiterbildung. Der Anspruch umfasst Freistellung an zehn Tagen alle zwei Jahre, wobei dieser Zeitraum immer am 1. Januar eines ungeraden Kalenderjahres beginnt. Sollte ein Arbeitsverhältnis in einem geraden Kalenderjahr geschlossen werden, verkürzt sich der Anspruch anteilsmässig auf fünf Arbeitstage in diesem Jahr. 




Bildungsurlaub in Saarland 


Wie im Saarländischen Bildungsfreistellungsgesetz festgehalten, haben Beschäftigte, die überwiegend im Saarland beschäftigt sind, Anrecht auf sechs Tage Bildungsfreistellung pro Jahr.  Ab dem dritten Tag der Bildungsfreistellung muss für die Hälfte der Zeit mit sonst arbeitsfreier Zeit (also beispielsweise Urlaub oder Überstunden) verrechnet werden. 


Im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern gilt das auch für Beamte, Richter und Auszubildende. Vorausgesetzt wird allerdings, dass das Anstellungsverhältnis seit zwölf oder mehr Monaten besteht. 




Bildungsurlaub in Bremen


Arbeitnehmer in Bremen haben innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren das Anrecht auf zehn Tage für politische, berufliche und allgemeine Weiterbildung. Vorausgesetzt ist lediglich, dass das Beschäftigungsverhältnisses schon länger als ein halbes Jahr besteht. Alle Details werden im Bremischen Bildungszeitgesetz erläutert.

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